Inhalt
Die Lehrveranstaltung befasst sich mit ethischen Fragestellungen im Kontext von Substandard Care und Disrespectful Care, also Situationen, in denen die Qualität oder die respektvolle Dimension der Versorgung gefährdet ist. Solche Situationen haben nicht nur weitreichende Konsequenzen für Patient*innen, sondern stellen auch für Fachkräfte und Teams eine erhebliche Belastung dar.
Im Rahmen der Lehrveranstaltung werden rechtliche und ethische Grundlagen vermittelt, zentrale Konzepte wie Moral Distress, Fehlerkultur und „Second Victims“ vorgestellt sowie institutionelle und strukturelle Rahmenbedingungen reflektiert. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Analyse konkreter Fallbeispiele, der Entwicklung von Handlungsoptionen zur Gewaltprävention für den Berufsalltag und der gemeinsamen Erarbeitung eines Wertekompasses, der zur Orientierung in schwierigen Situationen beitragen soll.
Die Veranstaltung ist interprofessionell ausgerichtet und richtet sich an Studierende verschiedener Gesundheitsberufe (Departement Gesundheitswissenschaften, Departement angewandte Pflegewissenschaft). Ziel ist es, die Fähigkeit zur ethischen Sensibilisierung und Reflexion zu fördern und praxisorientierte Strategien für professionelles Handeln in herausfordernden Versorgungssituationen zu entwickeln.
Lernergebnisse
Die Studierenden haben relevantes Wissen zu Ethik und Moral im Berufsalltag vertieft.
Sie haben sich mit aktuellen Spannungsfeldern des Berufsalltages befasst und ihre Reflexionsfähigkeit erweitert.
Sie kennen ethische Konzepte im Kontext von Health Care wie z.B. Substandard Care, Dis-respectful Care, Second Victims, Autonomie vs. Fürsorge, partizipative Entscheidungsfindung o.ä. und deren rechtliche Rahmenbedingungen.
Sie haben sich mit Studierenden anderer Fachdisziplinen aus unterschiedlichen Perspektiven themenbezogen ausgetauscht und ihre Kooperationsfähigkeit weiterentwickelt.
Sie haben sich mit Strategien auseinandergesetzt, um konstruktiv zur Verbesserung ethisch fragwürdiger Situationen beizutragen.
Lehrmethode
Vortrag, Diskussion, Gruppenarbeit, Selbststudium, Szenisches Arbeiten
Prüfungsmethode
Immanente Leistungsüberprüfung: Präsentation
Literatur
Ayres-De-Campos, D., Louwen, F., Vivilaki, V., Benedetto, C., Modi, N., Wielgos, M., Tudose, M. P., Timonen, S., Reyns, M., Yli, B., Stenback, P., Nunes, I., Yurtsal, B., Vayssière, C., Roth, G., Jonsson, M., Bakker, P., Lopriore, E., Verlohren, S. & Jacobsson, B. (2024). European Association of Perinatal Medicine (EAPM), European Board and College of Obstetricians and Gynaecologists (EBCOG), European Midwives Association (EMA). Joint position statement: Substandard and disrespectful care in labour – because words matter. European Journal Of Obstetrics & Gynecology And Reproductive Biology, 296, 205–207.
Freedman, L. P., Ramsey, K., Abuya, T., Bellows, B., Ndwiga, C., Warren, C. E., Kujawski, S., Moyo, W., Kruk, M. E. & Mbaruku, G. (2014). Defining disrespect and abuse of women in childbirth: a research, policy and rights agenda. Bulletin Of The World Health Organization, 92(12), 915–917.
Maio, G. (o. D.). Werte für die Medizin: Warum die Heilberufe ihre eigene Identität verteidigen müssen. Kösel-Verlag.
Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften (2020): Autonomie und Glück. Selbstbestimmung in der Medizin: Rezept für ein glückliches Leben? Bericht zur Tagung vom 28. Juni 2019 des Veranstaltungszyklus «Autonomie in der Medizin». Swiss Academies Communications 15 (3).
Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften (2018). Autonomie und Fürsorge. Urteilsunfähigkeit verlangt Entscheide – von wem und nach welchen Kriterien? Bericht zur Tagung vom 30. Juni 2017 des Veranstaltungszyklus «Autonomie in der Medizin» Swiss Academies Communications 13 (2).
Wallner, J. (2018). Rechtsethik in der Medizin: Wie komme ich zu einem gut begründeten Urteil? Wien: MANZ’sche Verlags- und Universitätsbuchhandlung.
Unterrichtssprache
Deutsch