29. Mai 2026

Campus Lectures: Gastvorträge aus der Industrie: Erfahrungen mit Ökobilanzen und EPDs aus Sicht der Industrie

 

In dieser Campus Lecture wird anahand von Beispielen aus der Industrie gezeigt, wie nachhaltige Baustoffe entstehen und bewertet werden, von CO₂-reduzierten Ziegeln bis zum Potenzial von Lehm im modernen, ressourcenschonenden Bauen.

29.05.2026, 13:00-16:00,  Raum H.E.17 oder H.1.01 (wird noch bekanntgeben), Favoritenstraße 226

Diese Campus Lecture findet im Zuge des Forschungsprojektes ÖkoBauLanz statt.

Anmeldung und Teilnahme

Wir bitten um Anmeldung. Die Teilnahme ist kostenlos.

Sollten Sie für Ihre Teilnahme etwas Bestimmtes benötigen, z. B. Gebärdensprach-Dolmetscher*in, technische Unterstützung bei Hörbeeinträchtigung, kontaktieren Sie bitte bis 29. April an bau.master@hcw.ac.at oder +43 1 6066877-2587.

Programm

13:00-16:00 Gastvorträge aus der Industrie: „Erfahrungen mit Ökobilanzen und EPDs aus Sicht der Industrie“ – Stora Enso + AluKönigstahl+ LehmTonErde + Wienerberger

Wienerberger - Von der Tonmischung bis zur Lebenszyklusanalyse: Projekt GreenBricks als Wegbereiter für nachhaltige Ziegelproduktion

Fortschreitender Klimawandel, Verlust der Artenvielfalt, knappe Ressourcen: Als führender Anbieter von innovativen, ökologischen Lösungen für die gesamte Gebäudehülle in den Bereichen Neubau und Renovierung sowie für Infrastruktur im Wasser- und Energiemanagement hat wienerberger aktuelle Entwicklungen im Blick. Mit dem Fokus auf Dekarbonisierung, Biodiversität, Kreislaufwirtschaft sowie Wasser- und Abfallmanagement im wienerberger Nachhaltigkeitsprogramm 2023-2026 unterstützen wir den grünen Übergang zu einer CO2 armen Zukunft und stellen die Weichen für neue Generationen. Vor allem unser Beitrag zu Netto-Null-Gebäuden und die Reduktion des Wasserverbrauchs sind zwei wesentliche Bereiche, in denen wienerberger Teil der Lösung ist.
Das oberösterreichische Werk Uttendorf ist Vorreiter für Energieeffizienz und die Reduktion von CO₂-Emissionen in der Ziegelherstellung. Im Rahmen des Projekts „GreenBricks“ testet und entwickelt Wienerberger hier wegweisende Lösungen wie den weltweit ersten Elektroofen für Hintermauerziegel. Von der gesammelten Expertise und den entwickelten Technologien werden künftig auch andere Standorte profitieren. So treibt das Unternehmen die Ziegelproduktion in Richtung Klimaneutralität voran.
Ein wesentlicher Teil des Projekts bestand darin, die Auswirkungen verschiedener Einflussfaktoren wie Tonmischung, Strommix oder Energieeffizienz auf die Lebenszyklusanalyse zu untersuchen.  Mithilfe der Ökobilanz-Vorstudie für eine nachfolgende EPD können Interessierte nun auch die Vorteile auf Gebäudeebene analysieren.

LehmTonErde – Lehm – ein Baustoff der Zukunft?

Der Vortrag gibt einen Einblick in das Bauen mit natürlichen Materialien am Beispiel von Lehmbau und Holz-Lehm-Hybridkonstruktionen. Vorgestellt werden aktuelle Entwicklungen industriell vorgefertigter Holz-Lehm-Deckensysteme sowie deren Anwendung in realisierten Bauprojekten. Dabei wird gezeigt, wie lokale mineralische Ressourcen wie Erde konstruktiv in moderne Gebäude integriert werden können und welche Potenziale Lehm hinsichtlich grauer Energie, Materialkreisläufen und Rückbaubarkeit bietet.
Ein Schwerpunkt liegt auf der Frage, wie Baustoffe ganzheitlich bewertet werden können. Auch wenn natürliche Materialien oft intuitiv als nachhaltig gelten, reicht der Hausverstand allein nicht aus, um ihre tatsächlichen Auswirkungen zu beurteilen. Für fundierte Entscheidungen braucht es belastbare Daten und nachvollziehbare Bewertungsmethoden. Daher wird die Rolle von Lebenszyklusanalysen und Umweltproduktdeklarationen (EPD) als wichtige Grundlage für eine transparente Bewertung von Baustoffen eingeordnet. Ergänzend werden bauphysikalische Eigenschaften wie thermische Speichermasse, Feuchteregulierung und sommerliche Gebäudekühlung sowie der Lehmbau im Kontext regionaler Ressourcen und globaler Verantwortung diskutiert.

Stora Enso – Ökobilanzierung in der Holzbranche: Daten, Vergleichbarkeit, Potenziale und Herausforderungen

Mittels einer vereinfachten Dominanzanalyse wird unter anderem aufgezeigt, welchen Einfluss Energieträger und Rohstoffe auf zentrale Umweltindikatoren ausgewählter Holzbauprodukte haben und wo wirkungsvolle Verbesserungsmaßnahmen ansetzen können.
Die Qualität von Primär‑ und Sekundärdaten, insbesondere bei relevanten Vorprodukten wie Klebstoffen, spielt dabei eine entscheidende Rolle, da sie maßgeblich bestimmt, wie belastbar und aussagekräftig eine LCA tatsächlich ist. Ein Schwerpunkt liegt auf der Zertifizierung des EPD‑Erstellungsprozesses, die es Unternehmen ermöglicht, EPDs eigenständig und effizient zu entwickeln, zu aktualisieren und zu veröffentlichen, sofern der interne Prozess regelmäßig durch eine akkreditierte Stelle geprüft wird. Diese Zertifizierung rationalisiert Datenerhebung, LCA‑Durchführung und EPD‑Erstellung, da klar definierte interne Routinen große Datenmengen effizienter und weniger ressourcenintensiv handhabbar machen und sowohl jährlich intern als auch extern auditiert werden. Anhand eines Beispiels wird gezeigt, wie durch eine harmonisierte Datenerfassung über mehrere Werke hinweg zahlreiche Produktvarianten in einem transparenten, parametrisierten Modell abgebildet werden können. Dieses Vorgehen vermeidet intransparente Blackbox‑Strukturen und ermöglicht vollständige Nachvollziehbarkeit aller Annahmen über verschiedene Weiterverarbeitungsschritte hinweg. Darüber hinaus wird beleuchtet, welche Chancen und Risiken der Einsatz von KI in diesem Kontext mit sich bringt und welche Wechselwirkungen zu aktuellen Reportingverpflichtungen, etwa im Rahmen der CSRD, bestehen. Abschließend wird darauf eingegangen, inwiefern die Vergleichbarkeit von Umweltkennzahlen über den gesamten Bauproduktsektor hinweg schwierig bleibt und selbst innerhalb derselben Produktgruppen herausfordernd ist, da unterschiedliche Systemgrenzen, Datenqualitäten und Modellierungsansätze zu abweichenden Ergebnissen führen können.

AluKönigStahl – Wie die Gebäudehülle den Energieverbrauch beeinflusst – Ein Blick auf Material und Lebenszyklus

Viele sprechen von Nachhaltigkeit, manche tun. Unser Vortrag beschäftigt sich mit dem Energieverbrauch von Gebäuden, in positiver und negativer Hinsicht. Fenster, Türen und Fassaden und deren unterschiedliche Materialien haben verschiedene Eigenschafen und bieten viele Möglichkeiten hinsichtlich LCA. Wir zeigen Ihnen, wie unser Unternehmen mit dem Thema umgeht und welche Maßnahmen wir vor einigen Jahren ergriffen haben. Eine EPD je Fenster zusammen mit dessen Eigenschaften kann bereits heute automatisch deklariert werden. Wir erörtern, wie diese Deklaration mit Gebäudezertifikaten in Zusammenhang steht und was C2C und in dem Kontext Taxonomie bedeutet. Ganz pragmatisch zeigen wir auch, wie sehr es an uns liegt, insgesamt positiv oder negativ zur Gesamtbilanz beizutragen.

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