18. Juni 2026
Beim zweitägigen ÖGKV-Kongress in Graz erläuterten Lehrende und Forschende im Department Angewandte Pflegewissenschaft aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse für neue Perspektiven der künftigen professionellen Pflege.

Vlnr: Elisabeth Kupka-Klepsch, Lukas Schlögl und Hans Peter Köllner
Der ÖGKV stellte den heurigen Kongress in Graz unter das Motto „Mut trifft Vision – Pflege gestalten“ und widmete sich angesichts bestehender Herausforderungen der Zukunft pflegerischer Praxis und der darauf vorbereitenden Ausbildungen. Vom Department Angewandte Pflegewissenschaft der HCW lieferten wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Studie zur KI-Nutzung von Bachelorstudierenden der Gesundheits- und Krankenpflege, die Live-Demonstration des Serious Moral Games „EthiCare“ aus dem Projekt Play Serious – Act Moral sowie der Vortrag über den Wandel der Schulgesundheitspflege in den USA mit Ableitung von Implikationen für Österreich Denkanstöße und Grundlagen für den Austausch.
KI ist in der Gesundheits- und Krankenpflege angekommen. Dieses Statement unterstrich Hans Peter Köllner, stv. Studiengangsleiter sowie Studienbereichsleiter im Bachelorstudium Gesundheits- und Krankenpflege bei der Posterpräsentation. Dabei erläuterte er zentrale Ergebnisse seiner an der HCW durchgeführten Studie zur Verwendung von KI-Technologien im Bachelorstudium.
93% der GuK-Studierenden nutzen KI-Anwendungen im Zuge des Studiums regelmäßig. „Wir haben ein heterogenes Kompetenzprofil erfasst, allerdings ist nur eine moderate AI Literacy ableitbar“, so Hans Peter Köllner. Folglich bestehe struktureller Handlungsbedarf auf curricularer Ebene, um die Studierenden bestmöglich auf die zukünftigen Anforderungen in algorithmisch bestimmten Versorgungsrealitäten vorzubereiten. Die Jury prämierte das wissenschaftliche Poster mit diesem zukunftsrelevanten Thema mit dem ersten Platz.
In einem weiteren Vortrag rückte Hans Peter Köllner die Schulgesundheitspflege als neues pflegerisches Tätigkeitsfeld in den Mittelpunkt. In den USA ist dieses pflegerische Tätigkeitsfeld seit 100 Jahren verankert. Die langfristige Entwicklung dieses etablierten Public-Health-Ansatzes zeigt auf, wie wirksam eine strukturelle Verankerung für eine nachhaltige Gesundheitsversorgung sein kann. Damit ergebe sich für Österreich eine klare Implikation, verbindliche Rahmenbedingungen zu schaffen. Einerseits fördert die Schulgesundheitspflege eine inklusive, gesundheitsförderliche Gesellschaft, andererseits bringt sie auch ökonomische Vorteile, da eine frühzeitige Gesundheitsintervention das Versorgungssystem langfristig entlastet.
Die Forschenden Elisabeth Kupka-Klepsch und Lukas Schlögl vom Zentrum für Angewandte Pflegeforschung der HCW luden beim Workshop „Mitmachen, Mitdenken, Mitgestalten – Partizipation bei der Entwicklung eines Serious Moral Games für die Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege“ zum Live-Test des ersten Prototypen von „EthiCare“. Das im Zuge des von der Stadt Wien – MA 23 geförderten Projekts „Play Serious – Act Moral“ entwickelte Serious Moral Game fokussiert ethische Kompetenzen als Schlüsselqualifikation in der Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege und soll beitragen, die Resilienz der Auszubildenden zu stärken. Lernspiele bieten die Möglichkeit, in einem geschützten Rahmen ethische Entscheidungsfindungen und die Konsequenzen dieser Entscheidungen anhand realistischer Fallbeispiele zu erfahren und im Zuge der begleiteten Reflexion aus diesen Entscheidungen zu lernen.
Partizipation der Zielgruppen ist ein wesentliches Element der iterativen Spielentwicklung von „EthiCare“. Das Feedback, die spannenden Fragen und konstruktiven Rückmeldungen der am Workshop teilnehmenden Pflegepersonen liefern dem Projektteam wertvolle Erkenntnisse für die Weiterentwicklung von „EthiCare“.