3. August 2026
Wie entstehen nachhaltige Baukonzepte, wenn Studierende, Lehrende und Fachexpert*innen aus Peru, den Philippinen, Norwegen, Ruanda und vielen weiteren Ländern gemeinsam planen und bauen? Antworten darauf lieferte die internationale Summer School sus^cool, die mehr als 50 Teilnehmende an der Hochschule Campus Wien zusammenbrachte.

Gruppenfoto von rund 25 Personen auf einer im Bau befindlichen Holzkonstruktion im Freien. Die Teilnehmenden lächeln, winken und posieren gut gelaunt für die Kamera. Im Vordergrund wird ein grünes Banner mit der Aufschrift „seca HOLZ WELT“ gehalten. Im Hintergrund sind ein Containergebäude und ein Baum zu sehen. Das Foto ist im Rahmen der SusSchool 2026 der Hochschule Campus Wien entstanden.
Bereits in den vier Monaten vor dem Präsenzteil arbeiteten die Teilnehmer*innen in Online-Vorträgen, Diskussionen und gemeinsamen Entwurfsprozessen an nachhaltigen Baukonzepten. Im Juli trafen sie schließlich in Wien zusammen, um ihre Ideen in einem Design-Build-Projekt umzusetzen. Dabei arbeiteten sie mit wiederverwendeten Materialien, vorgefertigten Holzelementen und dem Baustoff Lehm.
Zum Auftakt der Workshop-Wochen begrüßten Aída Santana Sosa, Leiterin der summer school und Elisabeth Haslinger-Baumann, Vizerektorin für Forschung und Entwicklung, die internationalen Gäste an der HCW. Bei einem gemeinsamen internationalen Frühstück lernten sich die Teilnehmer*innen kennen, bevor eine Werkzeugeinführung, unterstützt von der Makita Werkzeug GmbH Austria, sowie Fachinputs zu Holzverbindungen von Rothoblaas den praktischen Teil einleiteten.
Der Bau begann mit Fundamenten aus wiederverwendeten Eisenbahnschwellen. Schnell zeigte sich, dass Bauen mit wiederverwendeten Materialien Flexibilität verlangt. Vorhandene Materialien mussten neu vermessen, Details angepasst und Entwürfe laufend weiterentwickelt werden. Von den Expert*innen von materialnomaden gmbh und Critical Concrete erfuhren die Teilnehmer*innen zudem, was zirkuläres Bauen in der Praxis bedeutet.
Auch bei den Fassadenelementen und Möbeln standen nicht fertige Lösungen, sondern der gemeinsame Lernprozess im Mittelpunkt. Manche Ideen funktionierten auf der Baustelle nicht wie geplant und genau darin lag ein wesentlicher Erkenntnisgewinn. Entwürfe wurden hinterfragt, angepasst und mit den tatsächlich verfügbaren Materialien neu entwickelt.
In der zweiten Workshop-Woche rückte ein Baustoff in den Mittelpunkt, der häufig als Abfall betrachtet wird: Aushubmaterial einer ehemaligen Baustelle der Hochschule. Unter Anleitung von Stefanie Pamer, Mitarbeiterin im Forschungszentrum Bauen und Gestalten, lernten die Teilnehmer*innen den gesamten Prozess vom Ausgraben über das Trocknen, Zerkleinern und Sieben bis hin zur Analyse und Aufbereitung des Lehms als Baumaterial kennen.
Andrea Rieger-Jandl, Studiengangsleiterin des Masterstudiums Architektur – Green Building, vermittelte anschließend Grundlagen zum Baustoff Lehm, seiner jahrtausendealten Geschichte und seiner Bedeutung für regeneratives Bauen. Gemeinsam mit Julien Hosta von der Hochschule für Technik und Architektur Freiburg entwickelten die Gruppen unterschiedliche Putzmischungen und untersuchten, wie sich verschiedene Mischverhältnisse von Erde, Sand, Fasern und Wasser auf Verarbeitbarkeit, Haftung, Oberflächenqualität oder Rissbildung auswirken.
Ergänzend wurden sogenannte Carazas-Tests durchgeführt, bei denen unterschiedliche Feuchtigkeitsgrade und Verdichtungen untersucht wurden. So konnten die Teilnehmer*innen unmittelbar erleben, wie stark sich bereits kleine Veränderungen auf Stabilität und Materialverhalten auswirken.
Parallel dazu entstanden gemeinsam mit den Young Earth Builders weitere Bauelemente aus Flechtwerkwänden mit Lehm, Stampflehm und Leichtlehm. Aus den Experimenten entwickelten sich Putzmustertafeln, Sitzbänke und neue Ausfachungselemente für die Holzkonstruktion.
Die Summer School machte deutlich, dass nachhaltiges Bauen weit mehr bedeutet als den Einsatz ökologischer Materialien. Im Mittelpunkt standen gemeinsames Ausprobieren, interdisziplinärer Austausch und die Bereitschaft, Entwürfe an die Gegebenheiten vor Ort anzupassen. Statt standardisierter Lösungen entwickelten die internationalen Teams ihre Bauwerke mit den Materialien, die verfügbar waren, und dem Wissen, das sie gemeinsam erarbeiteten, Schritt für Schritt weiter.
Die Summer School sus^cool bot damit nicht nur wertvolle praktische Erfahrungen, sondern zeigte eindrucksvoll, wie internationale Zusammenarbeit und experimentelles Lernen innovative Ansätze für eine nachhaltige Bauzukunft hervorbringen können.