7. Januar 2026
Bei der Fachtagung Cancer Care des Departments Angewandte Pflegewissenschaft fokussierten Expert*innen die Frage, wie pflegerisches Wissen und Handeln wirksam in der Lebenswelt von Menschen mit onkologischen Erkrankungen eingebettet werden können.

Onkologisch Pflegende nehmen in der Begleitung von Menschen mit malignen Erkrankungen und den An- und Zugehörigen eine Schlüsselrolle ein. Patient*innen, Klient*innen und Bewohner*innen sind mit einer Vielzahl von Veränderungen konfrontiert, oftmals gehen mit der Erkrankung und den möglichen Komplikationen und Nebenwirkungen von Therapiemaßnahmen eine Vielzahl von psychischen, physischen und sozialen Belastungen einher. Ganzheitliche evidenzbasierte Begleitung und Versorgung gelingt, wenn pflegetheoretisches Wissen und Pflegepraxis Hand in Hand gehen – dies betonte Departmentleiterin Bettina M. Madleitner nicht nur in ihren Begrüßungsworten, die Expert*innen der Fachtagung Cancer Care verdeutlichten dies mit ihren Vorträgen.
Bettina M. Madleitner stellte die Keynote „Körperbildveränderung zwischen Bodyshaming und Bodypositivity“ in den pflegetheoretischen Kontext. Die Shame and Stigma Scale von David W. Kissane und einige Pflegetheorien, deskribieren und strukturieren komplexe Pflegesituationen und schaffen Orientierung in der Lehre und im Pflegealltag. Im Vortrag befasste sich die onkologische Pflegeexpertin mit psychosozialer Vulnerabilität und wie bestimmte Indikatoren, etwa Hoffnung, Wiedererlangung von Kontrolle oder Bodypositivity als Ressource wirken. Onkologische Pflegepersonen schaffen mit einem aktiven, wertfreien Kommunikationsraum für unangenehme Symptome nachhaltige Veränderung des Wohlbefindens.
Cornelia Feichtinger, Leiterin des Kompetenzzentrums für Angewandte Pflegeforschung, stellte das neu gestartete Projekt LISTEN-IN vor, das Lebenswelt-orientiertes und Systemisches Empowerment für obdach-, wohnungslose und prekär wohnende Menschen mit Krebskrankheitserfahrungen zum Ziel hat. Über pflegerische Herausforderungen und Handlungsmöglichkeiten in Bezug auf sexuelle Gesundheit onkologischer Erkrankter berichtete Armin Autz, während Lisa Steiner Nebenwirkungsmanagement und die zentrale Rolle der Pflegepersonen fokussierte. Weitere Einblicke in die Verschränkung von Wissenschaft und Pflegepraxis gaben Martina Spalt („Die Kluft zwischen der objektiven Symptomeinschätzung und dem empfundenen Symptom-assoziierten Distress“) und Marlene Pfeifer-Rabe („Cancer Survivorship – Unterstützung ist (k)ein Luxus. Sie ist lebenswichtig“), beide sind im Wiener Gesundheitsverbund tätig. Hans Peter Köllner vertiefte Erkenntnisse zum personzentrierten Ansatz in der onkologischen Gesundheits- und Krankenpflege. Moderiert wurde die Fachtagung von Julia Drobits und Daniela Vitek.
„Mit der Fachtagung wollen wir einen Perspektivendiskurs anstoßen. Ich glaube fest daran, dass Pflegetheorien die Wirksamkeit onkologischer Pflege maßgeblich beeinflussen. Sie sind im Praxisfeld anzuwenden und zu reflektieren und können dann möglicherweise wissenschaftlich weiterentwickelt werden, um fundiert dargestellt werden zu können“, so das Resümee von Bettina M. Madleitner.